Ein Fundament aus 2000 Jahren Geschichte

Wo einmal das neue Orchesterprobengebäude stehen soll, werden derzeit ganz andere Instrumente geschwungen. Seit Juli 2017 graben die Stadtarchäologen an der Volkhartstraße und bringen teils Erstaunliches zutage. Aus nahezu allen Epochen seit der Römerzeit gibt es Funde, die jüngsten sind noch keine 150 Jahre alt. 

Archäologische Ausgrabungen, Foto: © Ruth Plössel
Der römische Wehrgraben

Die ältesten Funde datieren aus der Zeit vor der Stadtgründung, vermutlich aus der Bronzezeit. Derzeit sind die Archäologen noch mit der genauen Bestimmung beschäftigt. Klarer sehen sie bei den aufgedeckten Mauersteinen: An dieser Stelle erstreckte sich ein römischer Wehrgraben. Damit, so Stadtarchäologe Günther Fleps, war die römische Stadtumwehrung deutlich größer als bisher angenommen. Offenbar war die Stadtgrenze schon immer an dieser Stelle festgelegt.

Die Mauer der Bischofsstadt

Die Römerstadt mit ihren rund 10.000 Einwohnern wurde von der Bischofsstadt abgelöst. Die Stadt war sehr klein, die meist aus Holz gebauten Häuser gruppierten sich um den Dom. Im 13. Jahrhundert wuchs Augsburg, am heutigen Theater wurde eine erweiterte Stadtmauer gebaut. Genau am Standort des künftigen Orchesterprobengebäudes haben die Archäologen die Fundamente eines Wehrturmes und der späteren Bastion freigelegt. Ende des 16. Jahrhunderts entstand hier das erste Leihamt Deutschlands – auch davon wurden Mauerreste gefunden.

Kurios: Stadtarchäologe Günther Fleps steht in einer römischen Latrine und zeigt die Mauern des ersten Leihamtes Deutschlands. Foto: © Ruth Plössel
Kostbar: Diese römische Fibel aus dem 3. Jahrhundert wurde 1000 Jahre lang hin- und hergeschippt. Foto: © Ruth Plössel
Überraschend: Bei den Grabungen stießen die Archäologen unter anderem auch auf Überreste zweier mächtiger Köpfe aus Kalksandstein, die von der ursprünglichen Fassade des Stadttheaters von 1877 stammen. Foto: © Ruth Plössel
Die Ansicht zeigt einen Ausschnitt aus dem Seld – Plan der Stadt Augsburg (Georg Jörg Seld, 1521) mit eingezeichneter Lage des heutigen Theaters.
Die Römer liefen zwei Meter tiefer

Die Arbeit der Archäologen beginnt mit einem Spaten. Punktuell graben sie bis zu fünf Meter in die Tiefe. Dabei achten sie genau auf die Färbung des Erdreichs: Dunkle Erde stammt aus der Römerzeit, helle Erde aus dem Mittelalter. So stellten die Archäologen fest, dass die alten Römer etwa zwei Meter unter dem heutigen Niveau liefen. Bemerkenswert war der Fund einer römischen Fibel aus dem 3. Jahrhundert – im Erdreich des Mittelalters: „Die wurde offen¬bar 1000 Jahre lang immer wieder hin- und hergeschippt“, so Stadtarchäologe Fleps.

Schiller und Goethe blieben verschont

Noch überraschender waren Funde aus der Neuzeit: schmückende Elemente des ursprünglichen Stadttheaters von 1877. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bauschmuck entfernt und im Erdreich entsorgt“, erzählt Stadtarchäologe Günther Fleps. Die Statuen von Schiller und Goethe blieben davon verschont – sie zieren heute die nach ihnen benannten Schulen in Lechhausen. Für die Figuren wurde Kalk aus Südtirol verwendet, offenbar in Serien¬fertigung, so Fleps: „Die Architekten hatten einen Bauteil-Katalog, aus dem die Auftraggeber wählen konnten.“

Die nächsten Schritte der Archäologen
  • Beginn Abbrucharbeiten Brechtbühne im Herbst 2018, Beginn Grabungen
  • voraussichtlicher Abschluss 2021